Figurenbemalung mit Acrylfarben: Techniken für Tabletop-Minis
Modellfieber · 18.8.2026
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Eine 28-mm-Tabletop-Figur trägt zwischen 8 und 14 Acrylfarbtöne, wenn sie wirklich gut aussehen soll, und du brauchst dafür keine teuren Pinsel jenseits von 25 Euro, sondern vor allem die richtige Schichten-Reihenfolge und verdünnte Farbe.
Tabletop-Minis von Warhammer 40k, Age of Sigmar, Star Wars Legion oder D&D-Kampagnen sind kleinste Skulpturen mit Detail-Dichte, die du mit Acryl in dünnen Schichten zum Leben erweckst. Der Sprung von "aufgemalt" zu "gemalt" liegt nicht im teureren Material, sondern in vier Techniken: dünne Basisschichten, gezielte Washes, Layering und Highlights. Wer diese vier Schritte versteht, hebt seine Armee in 6-8 Wochen sichtbar auf Tabletop-Standard.
Welche Acrylfarben für Tabletop-Minis
Citadel (Games Workshop), Vallejo Game Color und The Army Painter Warpaints sind die drei großen Systeme. Citadel ist am dichtesten in der Pigmentierung und am teuersten (2,80 €/Topf), Vallejo Game Color liefert für 2,40 € pro Tropfflasche etwa die gleiche Qualität bei besserem Handling, Army Painter ist der günstigste Komplett-Einstieg (10er-Sets ab 25 €). Alle drei sind miteinander kompatibel, du kannst eine Citadel-Base mit einem Vallejo-Layer und einem Army-Painter-Wash kombinieren ohne Probleme.
| System | Preis/Topf | Pigmentdichte | Stärke |
|---|---|---|---|
| Citadel | 2,80 € | Sehr hoch | Markenkompatibilität mit GW-Tutorials |
| Vallejo Game Color | 2,40 € | Hoch | Tropfflaschen, sparsame Dosierung |
| Army Painter Warpaints | 2,20 € | Mittel-hoch | Günstige Komplett-Sets |
| Scale75 | 2,90 € | Sehr hoch | Matt-Finish, Profi-Linie |
Für den Start reicht ein Set mit 10-15 Farben: zwei Hauttöne, vier Metalltöne (Silber, Gold, Bronze, Schwarz-Stahl), vier Stoff-/Lederfarben, ein Weiß, ein Schwarz, ein Knochenton. Zusätzlich brauchst du zwei Washes (Schwarz und Brown) und einen Drybrush-Hellton. Das Ganze landet bei etwa 50-60 Euro, der Rest baut sich über Monate auf.
Pinsel: Größe, Form und Pflege
Drei Pinsel reichen für 95 % aller Tabletop-Arbeit: ein Größe 1 oder 2 Rundpinsel für Basisschichten, ein Größe 0 für Layering, ein Größe 00 oder 000 für Augen und feinste Details. Synthetik-Pinsel von Army Painter oder Citadel kosten 5-10 Euro pro Stück, halten bei guter Pflege etwa 6-12 Monate Tabletop-Bemalung durch. Echtes Kolinsky-Sable von Winsor & Newton Series 7 (25-35 €) ist die Profi-Wahl, aber für den Einstieg unnötig.
Pflege ist wichtiger als Marke: Pinsel nach jedem Maltermin in lauwarmem Wasser mit Pinselseife (z.B. Masters Brush Cleaner) auswaschen, Spitze in Form streichen, mit dem Kopf nach oben trocknen lassen. Wer Pinsel im Wasserglas vergisst oder mit Farbe drin antrocknen lässt, ruiniert sie in einer Woche. Ein gepflegter 5-Euro-Synthetikpinsel hält länger als ein vernachlässigter 30-Euro-Sable.
Grundierung: Schwarz, Weiß oder Zenithal
Die Grundierung entscheidet über Helligkeit und Farbtiefe der ganzen Figur. Schwarze Grundierung gibt dunkle, dramatische Figuren, Vorteil: Kratzer und Lücken in späteren Schichten bleiben unsichtbar. Weiße Grundierung lässt Farben leuchten, Nachteil: Du brauchst saubere Deckung in jeder Schicht. Zenithal (Schwarz grundieren, dann von oben dünn weiß übersprühen) ist der moderne Mittelweg: dunkle Schatten unten, helles Pre-Highlight oben.
Spray-Grundierung von Citadel, Army Painter oder Vallejo bei 18-22 °C aus 25-30 cm Abstand auftragen. Zu kalte Luft ergibt körnige Oberfläche, zu nahe Sprühweite überdeckt Details. Falls dir das Spray nicht passt, geht auch Pinsel-Grundierung mit Vallejo Surface Primer dünn aufgetragen.
Layering: Dünn, dünner, am dünnsten
Layering ist die Kerntechnik der Tabletop-Malerei: dünne, halbtransparente Schichten in Zwei-Drittel-Reihenfolge auftragen. Erste Schicht deckt 100 %, zweite Schicht 66 % der ersten (lässt Schatten in Vertiefungen), dritte Schicht 33 % (Highlights auf Erhöhungen). Verdünne deine Acrylfarbe mit Wasser oder Vallejo Glaze Medium auf Milchkonsistenz, dünner als du intuitiv denkst.
Faustregel: Wenn die Farbe perlt oder vom Pinsel tropft, ist sie zu dünn. Wenn sie streifige Spuren hinterlässt, ist sie zu dick. Drei dünne Schichten sehen besser aus als eine dicke. Zwischen den Schichten 5-10 Minuten warten, damit die untere Lage durchgehärtet ist.
Washes für sofortige Tiefe
Washes (Citadel Shade, Army Painter Quickshade, Vallejo Game Wash) sind sehr dünne, eingefärbte Lasuren, die in Vertiefungen laufen und dort Schatten erzeugen. Ein einzelner Brown-Wash über Hautton verwandelt eine flach wirkende Mini in 30 Sekunden in eine Figur mit Tiefe. Schwarz-Washes funktionieren auf Metall, Brown auf Haut und Leder, Sepia auf Knochen und Holz.
Wichtig ist die Dosierung: Wash mit dem Pinsel in Vertiefungen ziehen, Überschuss mit einem trockenen Pinsel oder Küchenpapier wegnehmen. Ein "flooded" Wash, der über die ganze Figur läuft, sieht meistens schlampig aus. Gezielter Pin-Wash in Stoff-Falten oder Rüstungs-Rinnen ist die professionelle Variante.
Drybrushing für Highlights
Drybrushing ist der schnellste Weg zu Highlights auf Erhöhungen: Pinsel in heller Farbe tunken, fast komplett auf einem Küchenpapier abstreifen, dann mit dem trockenen Pinsel über die Figur streichen. Die Resthellfarbe bleibt nur auf den Hochpunkten hängen. Ein verbrauchter alter Pinsel mit kürzeren Borsten funktioniert hier sogar besser als ein neuer.
Drybrush ist nicht subtil, deshalb am besten gezielt einsetzen: Fellstrukturen, Steinhaufen, Metallrüstungen und grobes Stoffwerk profitieren. Glatte Hautflächen oder feine Stoffe machst du besser mit klassischem Layering.
Augen und Gesichts-Details
Augen sind der schwierigste Teil jeder Mini. Auf 28-mm-Heroic-Skala beträgt jedes Auge etwa 0,3 mm Durchmesser. Schritt: Schwarz die ganze Augenhöhle füllen, Weiß als Tropfen darüber setzen, dann mit reinem Schwarz zwei winzige Pupillen markieren. Pinselgröße 000 hilft, ist aber nicht zwingend, ein gut zugespitzter 0er reicht. Das Wichtigste ist eine ruhige Hand: Atmen anhalten, Ellbogen aufstützen.
Wer Augen anfangs scheut, kann sie weglassen und stattdessen mit einem Brown-Wash dunkel füllen, das wirkt aus 60 cm Tabletop-Entfernung oft genauso gut. Wer Detailliertheit will, übt Augen erst auf Test-Minis bevor er sich an die Lieblings-Charakter-Mini wagt.
Wenn du tiefer ins Thema einsteigen willst, schau dir auch unseren Artikel Pinsel vs Airbrush: Wann welche Methode besser ist an, manche Highlight-Effekte gehen mit Airbrush schneller, viele Detail-Stellen aber besser per Pinsel.
Bottom Line
Mit 50-60 Euro Startbudget für Farben, drei Pinseln und vier Techniken (Layering, Wash, Drybrush, Highlight) kommst du in 6-8 Wochen auf solides Tabletop-Niveau. Die Reihenfolge: Grundieren, Basisschichten dünn auftragen, Wash für Tiefe, Drybrush für Highlights, Augen zum Schluss. Verdünne mehr als du denkst, gönn dir gepflegte Pinsel und üb erst auf Test-Minis bevor du an wertvolle Charaktere gehst. Eine Armee von 30 Tabletop-Minis ist mit dieser Routine in 3-4 Monaten realistisch fertig, und sie sieht auf dem Spieltisch ziemlich gut aus.
Veröffentlicht durch die Modellfieber-Redaktion. Veröffentlicht am 18. August 2026.
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