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Flugmodellbau: Tragflaechenprofil und Schwerpunkt berechnen

Modellfieber · 3.9.2026

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Flugmodellbau: Tragflaechenprofil und Schwerpunkt berechnen

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Der Schwerpunkt eines Flugmodells liegt typischerweise bei 25-33% der Flügeltiefe ab Vorderkante, eine Abweichung von 5 mm entscheidet zwischen stabilem Gleitflug und unkontrollierbarem Trudeln. Wer ein Modell selber baut oder einen Bausatz modifiziert, kommt um die Berechnung von Tragflächenprofil und CG nicht herum. Die gute Nachricht: Du brauchst weder Strömungssimulation noch Aerodynamik-Studium, sondern ein Maßband, ein paar Formeln und 30 Minuten Zeit.

Warum das Tragflächenprofil über alles entscheidet

Das Profil bestimmt, wie viel Auftrieb deine Tragfläche bei welcher Geschwindigkeit erzeugt. Ein dickes, stark gewölbtes Profil wie das Clark Y oder NACA 4412 liefert hohen Auftrieb bei niedriger Geschwindigkeit, perfekt für Trainer und Segler. Ein dünnes symmetrisches Profil wie NACA 0012 fliegt schneller, kunstflugtauglich, aber gnadenlos bei zu langsamem Anflug.

Faustregel für Einsteigermodelle: Profildicke 12-15% der Flügeltiefe, Wölbung 4-6%. Wenn dein Flügel 200 mm tief ist, sollte das Profil also 24-30 mm dick sein und die Wölbung 8-12 mm betragen. Drohnen-Tragflügelmodelle und Nurflügler haben eigene Geometrien (oft S-Schlag-Profile), aber für klassische Hochdecker, Tiefdecker und Zweidecker gilt diese Regel sehr robust.

Flugmodellbau tragflaechenprofil und schwerpunkt berechnen: practical guide overview
Flugmodellbau tragflaechenprofil und schwerpunkt berechnen

Profil-Datenbanken wie airfoiltools.com listen über 1.500 Profile mit Re-Zahlen, Cl-Cd-Polaren und Strömungsbildern. Such nach Modellen mit ähnlicher Spannweite, Flächenbelastung und Geschwindigkeit wie deinem geplanten Flieger, dann hast du in 10 Minuten drei sinnvolle Profilkandidaten.

Schwerpunkt berechnen, die 25%-Regel und ihre Grenzen

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Flugmodellbau tragflaechenprofil und schwerpunkt berechnen: step-by-step visual example
Flugmodellbau tragflaechenprofil und schwerpunkt berechnen

Für rechteckige Tragflächen ohne Pfeilung liegt der ideale Schwerpunkt bei 25% der Flügeltiefe ab Nasenleiste. Heißt: Misst du 200 mm Flügeltiefe, gehört der CG 50 mm hinter der Vorderkante. Diese Position erzeugt eine leichte Stabilität, das Modell kehrt nach einer Störung selbst in den Geradeausflug zurück.

Bei trapezförmigen Flügeln (typisch bei Seglern und schnellen Sportmodellen) musst du die mittlere aerodynamische Flügeltiefe (MAC) berechnen. Die Formel: MAC = (2/3) × Wurzeltiefe × (1 + λ + λ²) / (1 + λ), wobei λ das Zuspitzungsverhältnis ist (Spitzentiefe ÷ Wurzeltiefe). Klingt komplex, ist aber mit jedem Taschenrechner in 30 Sekunden gerechnet.

Die MAC-Position seitlich aus der Wurzel projiziert dir die Linie, an der du den 25%-Punkt anträgst. Online-Rechner wie eCalc, RC Plane Builder oder MotoCalc machen das visuell, Wurzeltiefe, Spitzentiefe und Halbspannweite eingeben, fertig ist die Schwerpunktlinie.

MAC und Pfeilflügel, wenn es geometrisch wird

Pfeilflügel verschieben den Druckpunkt mit zunehmender Geschwindigkeit nach hinten. Bei stark gepfeilten Modellen (über 25° Pfeilung) reicht die 25%-Regel nicht mehr, du musst zusätzlich den V-Stabilitätsfaktor berücksichtigen. Praktisch heißt das: 22-28% der MAC ist die sichere Bandbreite.

Flugmodellbau tragflaechenprofil und schwerpunkt berechnen: helpful reference illustration
Flugmodellbau tragflaechenprofil und schwerpunkt berechnen

Nurflügler ohne Höhenleitwerk (Horten-Bauart, Delta) brauchen einen weiter vorne liegenden CG, oft bei 15-20% der MAC. Hier ist der Verstellbereich kleiner und Trimmen kritischer, kleine CG-Verschiebungen verändern das Flugverhalten dramatisch. Für solche Modelle empfiehlt sich der Bau eines verstellbaren Bleigewicht-Slots im Rumpf.

Praxis: CG am fertigen Modell prüfen

Die Theorie nützt nichts, wenn die Werkzeuge fehlen. So prüfst du den Schwerpunkt am fertigen Modell:

  1. Modell flugfertig machen (Akku eingelegt, alle Komponenten an ihrem Platz)
  2. CG-Position auf der Flügelunterseite mit Bleistift anzeichnen (je 25% MAC links und rechts)
  3. Modell auf zwei Fingerspitzen oder einer CG-Wippe genau an dieser Linie balancieren
  4. Bei Übergewicht hinten: Akku vorrücken oder Bleigewicht in Nase einkleben
  5. Bei Übergewicht vorne: Akku zurückschieben oder Heckgewicht ergänzen

Die meisten Modelle sind ab Werk leicht hecklastig, 5-15 g Bleigewicht in der Nase reichen oft aus. Wer mit LiPo-Akkus fliegt, kann durch Akkuwahl und Position viel justieren. Ein 3S 2200 mAh wiegt circa 180 g, ein 4S 2200 mAh circa 240 g, diese 60 g Differenz verschieben den CG um mehrere Millimeter.

Flugmodellbau tragflaechenprofil und schwerpunkt berechnen: detailed close-up view
Flugmodellbau tragflaechenprofil und schwerpunkt berechnen
💡 Gut zu wissen: Den ersten Erprobungsflug mit 1-2% weiter vorne liegendem Schwerpunkt (z.B. 23% statt 25%) starten, das macht das Modell weniger zickig und verzeiht Anfängerfehler. Sobald das Modell sauber fliegt, kannst du den CG schrittweise nach hinten verlegen.

Profilauswahl nach Modelltyp

Welches Profil zu welchem Modell passt, entscheidet sich an drei Faktoren: erwartete Geschwindigkeit, Flächenbelastung und Stabilitätsanspruch. Diese Tabelle gibt dir die Bandbreite für die häufigsten Modellklassen:

ModelltypEmpfohlenes ProfilProfildickeWölbungCG-Position
Trainer (Hochdecker)Clark Y, NACA 441213-15%4-6%25-28% MAC
Sportflieger (Tiefdecker)NACA 2412, SD703210-12%2-4%25% MAC
KunstflugNACA 0012-0015 (symmetrisch)12-15%0%25% MAC
F3J SeglerSD7037, AG359-11%3-4%30-35% MAC
NurflüglerMH60, S-Schlag-Profile11-13%2-3%15-20% MAC
SlowflyerPlattenprofil mit Wölbung3-5%5-7%30% MAC

EWD und Höhenleitwerk, das vergessene Detail

Die Einstellwinkeldifferenz (EWD) zwischen Tragfläche und Höhenleitwerk entscheidet, wie das Modell auf Tempo-Änderungen reagiert. Standard sind 1-3° positiver Anstellwinkel der Tragfläche relativ zum Höhenleitwerk. Zu viel EWD: Modell steigt bei Vollgas brutal, fällt bei Gas-Weg in den Dreh. Zu wenig EWD: Modell fliegt neutral, kippt bei zu wenig Speed sofort weg.

Praktischer Check: Lege das Modell auf eine ebene Fläche, schiebe Holzkeile unter Tragfläche und HLW, bis beide auf gleicher Höhe sind. Miss die Winkel zur Längsachse, die Differenz ist deine EWD. Ein Inklinometer fürs Smartphone (kostenlose Apps) reicht völlig aus, du brauchst keine teuren Werkstattmessgeräte.

⚠️ Häufiger Fehler: Den Schwerpunkt am leeren Rumpf prüfen, dann Akku einbauen und ohne Re-Check fliegen. Der Akku verschiebt CG um bis zu 15 mm, das kann den Erstflug zum Crash machen. Immer mit eingelegtem Flug-Akku balancieren!

Häufige Berechnungsfehler vermeiden

Drei Fehler tauchen in jedem Modellbauforum wieder auf. Erstens: Halbspannweite mit Spannweite verwechseln. Bei MAC-Berechnungen brauchst du die Halbspannweite (Wurzel bis Spitze), nicht die volle Spannweite. Zweitens: Die Profilsehne nicht parallel zur Längsachse anlegen. Wer die Sehne falsch anlegt, misst falsche EWDs und wundert sich über mieses Flugverhalten. Drittens: Den Servohebel-Hebelarm und Ausschlag nicht mit dem CG mitberücksichtigen, bei großen Höhenruder-Ausschlägen verschiebt sich die effektive aerodynamische Flügeltiefe.

Wenn du bei der Berechnung unsicher bist, vergleiche mit einem ähnlichen kommerziellen Bausatz derselben Klasse. Die Hersteller haben CG und Profil schon optimiert, du kopierst einfach die Geometrie und sparst dir das Rechnen. Wer tiefer einsteigen will, findet im LiPo-Guide die passenden Akkudaten und im Empfänger-Binding-Guide die Sender-Setups.

Im Hangar-Check

Profilwahl plus 25%-MAC-Schwerpunkt plus 1-3° EWD, das sind die drei Stellschrauben, mit denen jedes Modell flugfähig wird. Berechne sie einmal sauber, balanciere mit eingelegtem Akku, und fliege den Erstflug bei wenig Wind und mit leicht vorderer CG-Position. Online-Rechner und Profil-Datenbanken nehmen dir 90% der Mathematik ab. Wer einen 250 mm tiefen Trainer-Flügel mit Clark Y baut und den CG bei 60 mm setzt, hat in 95% der Fälle ein flugfähiges Modell. Trim, EWD und Akku-Position sind die Feintuning-Hebel, die Grobgeometrie muss vorm Bau stimmen.

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Veröffentlicht durch die Modellfieber-Redaktion. Veröffentlicht am 3. September 2026.

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