EDF-Jets: Impeller-Antrieb für schnelle RC-Flugzeuge
Modellfieber · 1.9.2026
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Ein 90-mm-EDF mit 6S-LiPo erreicht in einem 1,2-Meter-Jet rund 250 km/h Spitze und schluckt dabei 90 Ampere, das ist Turbinen-Performance ohne Brennstoff und ohne 3000-Euro-Aggregat.
EDF steht für "Electric Ducted Fan", also einen Impeller, der Luft durch einen umschlossenen Kanal beschleunigt. Optisch wirkt das wie eine kleine Turbine, technisch ist es ein hocheffizienter Brushless-Motor mit speziell geformten Schaufeln in einem präzise dimensionierten Mantel. Für Piloten, die das Jet-Feeling wollen, aber weder Lärm noch Gefahrgut-Probleme haben, sind EDF-Modelle die einzige sinnvolle Option.
Wie ein EDF-Antrieb funktioniert
Im Kern besteht der Impeller aus einem Brushless-Motor und einem Lüfterrad mit 5-12 Schaufeln. Beides sitzt in einem zylindrischen Mantel, dem Duct. Der Mantel ist nicht Deko, sondern entscheidend: Er beschleunigt die Luft und verhindert, dass sie radial entweicht. Ohne Mantel wäre es nur ein lauter Propeller.
Die Größe wird in Millimetern Außendurchmesser des Lüfters angegeben: 50, 64, 70, 80, 90 oder sogar 120 mm. Mehr Durchmesser bedeutet mehr Schub, aber auch mehr Stromaufnahme und größeres Modell. Standard für Hobby-Jets sind 64 bis 90 mm.
Der Wirkungsgrad eines EDF liegt bei 60-75 % bei Optimum. Das ist deutlich schlechter als ein Propeller (80-90 %), aber dramatisch besser als alles, was vor 15 Jahren möglich war. Und der Sound ist unverwechselbar, nicht das Brummen eines Propellers, sondern dieses spezielle Düsen-Pfeifen.
EDF-Größen und ihre Einsatzbereiche
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| Durchmesser | LiPo | Schub | Stromaufnahme | Modellgröße |
|---|---|---|---|---|
| 50 mm | 3-4S | ~700 g | 35-50 A | 600-800 mm |
| 64 mm | 4S | ~1100 g | 50-65 A | 800-1000 mm |
| 70 mm | 6S | ~1700 g | 65-80 A | 1000-1200 mm |
| 80 mm | 6S | ~2400 g | 85-105 A | 1200-1400 mm |
| 90 mm | 6-8S | ~3500 g | 100-130 A | 1400-1700 mm |
| 120 mm | 10-12S | ~6000 g | 150-180 A | 1800-2200 mm |
Die häufigste Einstiegsgröße ist 64 mm an einem 4S-LiPo. Modelle wie der FMS Yak-130 oder Eflite Habu STS sind in dieser Klasse als RTF (Ready-to-Fly) erhältlich. Für ambitionierte Piloten ist 70-90 mm der Sweet Spot zwischen Performance und Handlbarkeit.
ESC und LiPo, die Grenzen der Stromversorgung
Ein EDF zieht im Vollgas-Betrieb mehr Strom, als die meisten Brushless-Setups gewohnt sind. Während ein Propeller-Trainer bei 30-40 Ampere bleibt, sind 90-100 Ampere bei einem 80-mm-EDF Standard.
Drei Folgen für die Komponenten-Wahl:
- ESC mit Reserve: Bei 100A Spitzenstrom braucht der ESC mindestens 120A Dauerstrom-Rating. Castle Phoenix Edge 130HV oder Hobbywing Platinum Pro 120A sind die Standardwahl.
- LiPo mit hoher C-Rate: Ein 5000-mAh-LiPo mit 75C liefert 375A Spitzen, das ist genug Reserve. Billige 30C-Akkus brechen unter Last ein und liefern weniger als 50 % der Kapazität.
- Dicke Kabel: 8-AWG- oder 10-AWG-Silikonkabel sind Pflicht. Ein 12-AWG-Kabel würde unter 100A schmelzen oder zumindest spürbar warm werden.
Flugverhalten und Trimmung
EDF-Jets fliegen anders als Propeller-Modelle. Die Schub-Charakteristik ist linearer, der Motor reagiert verzögerter auf Gas-Inputs (etwa 0,3-0,5 Sekunden Hochlauf), aber dafür sehr stabil bei konstanter Drehzahl. Wer aus der Propeller-Welt kommt, muss vorausschauender fliegen.
Die Landung ist die größere Herausforderung. EDF-Jets haben oft kleinere Tragflächen im Verhältnis zum Gewicht und gleiten schlechter. Ein typischer 80-mm-Jet hat eine Mindest-Anflug-Geschwindigkeit von 60-80 km/h. Unterhalb davon kippt das Modell aus dem Flug. Lange Anflugbahn, sanfte Höhenruder-Inputs, Restgas bis zum Aufsetzen, das sind die drei Regeln.
Für die Schwerpunkt-Einstellung ist EDF-spezifisch: Der Akku ist immer schwer, der Impeller ebenfalls. Wer keine Möglichkeit hat, den LiPo zu verschieben, korrigiert mit Gewichten in der Nase. Schwerpunkt zu weit hinten = Modell wird instabil, kippt bei jeder Kurve über die Tragfläche.
Häufige Fehler beim EDF-Aufbau
Drei weitere Klassiker, die regelmäßig auftauchen:
- Falsche Drehrichtung: Ein Impeller, der falsch herum dreht, liefert nur 40-50 % des Schubs. Vor dem Erstflug Drehrichtung gegen Uhrzeigersinn (von hinten gesehen) prüfen, bei den meisten Modellen Standard.
- Wuchtungs-Probleme: Lüfterräder müssen statisch und dynamisch ausgewuchtet sein. Vibration zerstört Lager und Motor binnen Minuten. Vor dem ersten Flug kurz auf den Werktisch und Drehzahl-Test machen, wenn das Modell wandert, ist der Impeller unwucht.
- Auslass-Querschnitt: Der Auslass-Tunnel muss sich ab dem Impeller leicht verjüngen (ca. 80-85 % der Einlass-Fläche). Zu enger Auslass würgt den Schub ab, zu weiter Auslass nimmt die Schub-Konzentration heraus.
Welche Modelle sich für Einsteiger eignen
Wer in EDF-Jets einsteigt, sollte nicht direkt mit einem 1,5-Meter-90-mm-Vollscale-Jet beginnen. Die Lernkurve ist steil genug. Vier Einsteiger-Klassen haben sich bewährt:
- FMS Yak-130 64mm: Stabiler Trainer-Jet mit moderater Geschwindigkeit (160-180 km/h), verzeiht viel. Etwa 280 Euro RTF.
- Eflite Habu STS 70mm: Selbststabilisierendes System mit AS3X. Für absolute Anfänger im Jet-Bereich. 400 Euro plus Akku.
- FreeWing Eurofighter 80mm: Beeindruckendes Scale-Modell, schon Mittelklasse mit 220 km/h. 450-550 Euro für die Kit-Variante.
- FMS F-16 70mm: Klassisches Kampfjet-Profil, mittlerer Schwierigkeitsgrad. Gutes Preis-Leistung-Verhältnis bei rund 350 Euro.
Bei der Auswahl gilt: Lieber etwas zu groß als zu klein. Ein 70-mm-Jet bei 6S-LiPo ist deutlich windstabiler als ein 50-mm-Modell bei 4S, das schon bei leichtem Seitenwind unkontrollierbar wird. Größere Modelle haben außerdem mehr Platz für Akku-Verschiebungen zur Schwerpunkt-Korrektur.
Im Hangar-Check
EDF-Jets sind die anspruchsvollste Klasse im RC-Flugzeugbau, aber auch eine der dankbarsten. Wer ein 64-mm-Modell mit 4S-LiPo sauber fliegen kann, hat den Großteil der RC-Flieger-Skills schon drauf. Die nächste Stufe heißt 80-90 mm mit 6S, und ab dort ist es Profi-Niveau.
Die Einstiegskosten sind moderat: Ein RTF-Jet wie der FMS Yak-130 mit 70 mm kostet rund 350 Euro inklusive ESC und Motor. Akku, Sender und Ladegerät kommen extra dazu. Wer von vornherein einen großen Sender und Ladegerät plant, hat die ideale Hardware-Basis für Jets, Trainer und alles dazwischen.
EDF-Modelle laufen nicht im 5-Sekunden-Wechsel-Akku-Modus wie Race-Drohnen, ein 4-5-Minuten-Flug, dann 30-Minuten-Ladezeit. Diese Kadenz kennt man auch von größeren RC-Cars mit Brushless-Antrieb, ist aber bei Jets noch akuter, weil High-C-LiPos schneller ermüden. Drei vollgeladene Akkus für einen Modellflugplatz-Nachmittag sind realistisch, mehr braucht es selten, weil zwischen den Flügen ohnehin Zeit für Akkuwechsel und Sicherheits-Checks vergeht.
Veröffentlicht durch die Modellfieber-Redaktion. Veröffentlicht am 1. September 2026.
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