PLA vs PETG vs ABS: Welches Filament für welchen Zweck?
Modellfieber · 6.7.2026 · 8 Aufrufe
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Drei Filamente, drei verschiedene Staerken
PLA, PETG und ABS sind die drei meistverwendeten Filamente im FDM-3D-Druck. Jedes Material hat spezifische Staerken und Schwaechen, die es für bestimmte Anwendungen praedestinieren. Im Modellbau brauchst du unterschiedliche Eigenschaften: RC-Funktionsteile müssen schlagfest und hitzebestaendig sein, dekorative Teile sollen gut aussehen, und flexible Elemente wie Stossfaenger brauchen Elastizitaet. Kein einziges Filament deckt alles ab.
Die drei Materialien unterscheiden sich in Drucktemperatur, Betthaftung, mechanischer Belastbarkeit, Hitzebestaendigkeit und Nachbearbeitbarkeit. PLA ist am einfachsten zu drucken, PETG bietet den besten Kompromiss aus Druckbarkeit und mechanischer Leistung, und ABS punktet bei Hitzebestaendigkeit und Nachbearbeitbarkeit mit Aceton. Für die meisten Modellbauer ist PETG das Hauptmaterial, ergaenzt durch PLA für Prototypen und ABS für hitzebelastete Teile.
Im Folgenden vergleichen wir alle drei Materialien mit konkreten Druckeinstellungen, Messwerten und Praxisbeispielen aus dem Modellbau-Alltag.
PLA: Der Allrounder für den Einstieg
PLA (Polylactic Acid) ist das einfachste FDM-Filament. Drucktemperatur 190 bis 220 Grad, Betttemperatur 50 bis 60 Grad, kein beheizter Bauraum noetig. PLA haftet auf PEI, Glas und Blue Tape zuverlaessig und verzieht sich kaum. Für Prototypen, Gehaeuse, Deko-Teile und erste Tests ist PLA die schnellste Wahl, weil es praktisch immer auf Anhieb funktioniert.
Die mechanischen Eigenschaften von PLA sind auf den ersten Blick gut: hohe Steifigkeit, gute Oberflaeche und scharfe Details. Der Haken: PLA ist sproede und bricht bei Stossbelastung statt sich zu verformen. Für RC-Car-Teile, die bei Crashs Energie aufnehmen müssen, ist das ein Ausschlusskriterium. Ausserdem erweicht PLA ab etwa 55 bis 60 Grad, was es für Teile in der Naehe von Motor oder ESC ungeeignet macht.
Trotzdem hat PLA seinen festen Platz in der Modellbau-Werkstatt. Werkstatt-Organizer, Halterungen für Werkzeug, Schablonenund Prototypen sind typische PLA-Projekte. Die niedrige Drucktemperatur bedeutet weniger Energieverbrauch und schnellere Druckzeiten. Und für Teile, die weder mechanisch belastet noch erwaermt werden, reicht PLA voellig aus.
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PETG: Das Arbeitstier für Funktionsteile
PETG (Polyethylenterephthalat-Glykol) ist der Standard für belastbare 3D-Druckteile im Modellbau. Drucktemperatur 230 bis 250 Grad, Betttemperatur 70 bis 80 Grad. PETG kombiniert gute Schlagzaehigkeit mit chemischer Bestaendigkeit und Feuchtigkeitsresistenz. RC-Car-Halterungen, Drohnenarm-Schuetzer, Akkuhalter und Getriebe-Abdeckungen aus PETG halten die typischen Belastungen im Modellbau-Alltag zuverlaessig aus.
Die Hitzebestaendigkeit liegt bei etwa 80 Grad, was für die meisten Modellbau-Anwendungen reicht. In der Naehe von Brushless-Motoren, die bei Volllast 70 bis 90 Grad erreichen, ist PETG grenzwertig. Hier hilft ein kleiner Luftspalt zwischen Motor und Halterung oder der Wechsel auf ABS oder ASA für besonders hitzebelastete Teile.
PETG druckt etwas anspruchsvoller als PLA: Stringing (Fadenziehen) ist der häufigste Druckfehler. Reduziere die Drucktemperatur in 5-Grad-Schritten, erhoehe den Retraction-Wert auf 4 bis 6 mm (Direct Drive) oder 6 bis 8 mm (Bowden) und senke die Travel-Geschwindigkeit. Mit optimierten Einstellungen druckt PETG sauber und zuverlaessig auf jedem aktuellen FDM-Drucker.
ABS: Hitzebestaendig und Aceton-glaettbar
ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol) war das erste weit verbreitete 3D-Druck-Filament und hat trotz der Konkurrenz durch PETG immer noch seine Berechtigung. Die Hitzebestaendigkeit liegt bei etwa 100 Grad, deutlich über PLA und PETG. Motorhalterungen, Abgasfuehrungen und Teile in direkter Naehe von Waermequellen sind die Domaene von ABS.
Der groesste Vorteil von ABS gegenüber PETG: Aceton-Glaettung. In einem geschlossenen Behälter mit Aceton-Daempfen glaetten sich die Schichtlinien von ABS-Teilen innerhalb von Minuten zu einer gleichmaessigen, glaenzenden Oberflaeche. Für dekorative Teile, die perfekt aussehen sollen, ist das ein Alleinstellungsmerkmal, das kein anderes gaengiges Filament bieten kann.
Die Nachteile: ABS erfordert einen beheizten Bauraum (Enclosure), da es bei Raumtemperatur stark zum Warping neigt. Drucktemperatur 230 bis 260 Grad, Betttemperatur 90 bis 110 Grad. Ohne Enclosure verziehen sich größere Teile fast garantiert. Ausserdem entwickelt ABS beim Drucken Styrol-Daempfe, die in geschlossenen Raeumen gesundheitsschaedlich sind. Drucke ABS nur in beluefteten Raeumen oder mit Absaugung.
| Eigenschaft | PLA | PETG | ABS |
|---|---|---|---|
| Drucktemp. | 190-220 °C | 230-250 °C | 230-260 °C |
| Betttemp. | 50-60 °C | 70-80 °C | 90-110 °C |
| Hitzebest. | ~55 °C | ~80 °C | ~100 °C |
| Schlagfest. | Gering (sproede) | Hoch (flexibel) | Mittel-Hoch |
| Enclosure | Nicht noetig | Optional | Empfohlen |
| Preis/kg | 15-25 EUR | 18-30 EUR | 18-28 EUR |
Veröffentlicht durch die Modellfieber-Redaktion. Veröffentlicht am 6. Juli 2026. Aktualisiert am 4. Oktober 2026.
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