3D-Druck Nachbearbeitung: Schleifen, Fuellen und Lackieren
Modellfieber · 20.8.2026
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Eine 4 mm dicke PLA-Schicht zu glätten kostet 3-4 Schleifgänge mit 240er, 400er und 800er Körnung, danach ist der Druck so glatt wie ein Spritzgussteil und nimmt Lack ohne Streifen an. Wer die Reihenfolge ignoriert, sieht auf dem fertigen Modell jede Schicht.
Nachbearbeitung ist die Grenze zwischen "selbstgedruckt erkennbar" und "wie aus der Fabrik". Der Aufwand ist überschaubar, wenn du die richtige Technik kennst: Schleifen baut Schichten ab, Füllen schließt die letzten Rillen, Lack versiegelt und gibt dem Teil Charakter. Drei Arbeitsgänge, klar getrennt, jeder mit eigener Logik.
Warum FDM-Drucke fast immer Schleifen brauchen
FDM-Drucker bauen Schicht für Schicht auf, typisch 0,12 bis 0,28 mm dick. Auf glatten Außenflächen siehst du diese Layer als feine Linien, vor allem bei seitlichen Wänden. PLA und PETG zeigen das deutlich, ABS und ASA etwas weniger durch das spätere Acetondampf-Glätten.
Resin-Drucke sind glatter, haben aber Stützstrukturen-Reste und Voxel-Stufen an gekrümmten Flächen. Auch hier wird geschliffen, nur mit feinerer Körnung ab 600er. Funktionsteile aus PETG oder PA brauchen oft gar keine Optik-Bearbeitung, dafür aber Maßnahme gegen Z-Naht oder überstehende Strings.
Ein realistischer Aufwand: für eine handgroße Figur rechnest du 30-45 Minuten Schleifzeit über alle Stufen. Bei einem Funktionsgehäuse reichen oft 10 Minuten an den sichtbaren Außenflächen.
Schleifen, Körnungen, Werkzeuge, Reihenfolge
Die Grundregel: starte grob, arbeite dich fein hoch, überspringe nie mehr als eine Körnungsstufe. Wer von 240 direkt auf 800 springt, kämpft minutenlang gegen Riefen die er nie loswird.
| Körnung | Zweck | Druckmaterial |
|---|---|---|
| 120-180 | Layer-Reste, Stützspuren grob abtragen | PLA, PETG, ABS |
| 240-320 | Hauptflächen glätten, Vorbereitung Füller | alle FDM |
| 400-600 | nach erstem Füller, Riefen entfernen | FDM und Resin |
| 800-1200 | Finish vor Lack, polierte Stellen | Resin, Klarlack-Vorbereitung |
| 2000-3000 | Hochglanz, transparent | Klar-Resin, Polycarbonat |
Schleifpapier auf einem Holzklotz oder Schaumstoff-Block hält gerade Flächen wirklich gerade. Frei in der Hand bekommst du Wellen, weil die Fingerkuppen weicher sind als das Material drumrum. Für gewölbte Flächen nimmst du Schleifschwämme oder rolle das Papier um einen Stift.
Nass-Schleifen ab 400er bringt zwei Vorteile: kein Plastikstaub in der Luft und das Papier setzt sich nicht so schnell zu. Ein paar Tropfen Spüli ins Wasser, fertig. Tuch dazwischen, Druck regelmäßig abwischen, Fortschritt prüfen.
Spachtel und Füller, die Schichten verschwinden lassen
Auch nach 400er Körnung bleiben die Layer-Linien als feine Vertiefungen sichtbar. Hier kommt der Füller: er füllt die Rillen, du schleifst ihn anschließend wieder ab, übrig bleibt nur das, was in den Vertiefungen sitzt. Das Ergebnis ist eine plane Fläche.
Klassischer Modellbau-Spachtel wie Tamiya Putty oder Vallejo Plastic Putty ist ideal für Risse und Fehler. Für ganze Flächen nimmst du Sprüh-Filler, meist Auto-Filler aus dem Baumarkt für 8-12 Euro die Dose. Der ist dick aufzutragen, deckt feine Strukturen schnell und lässt sich gut schleifen.
Drei dünne Schichten sind besser als eine dicke. Nach jeder Schicht 20 Minuten warten, dann mit 320er nass schleifen bis du die unterliegende Form wieder spürst. Wo nach drei Durchgängen noch Layer-Linien zu sehen sind, wars zu wenig, vierte Schicht drauf, weiter machen.
Bei Funktionsteilen mit engen Toleranzen sparst du dir den Füller und schleifst direkt auf 800er. Lack auf den Maßen kostet bei Steckverbindungen oft 0,2-0,5 mm, das musst du im Slicer einplanen oder nachträglich freischleifen.
Primer, Grundierung mit Sinn
Der Primer ist die Brücke zwischen Plastik und Decklack. Er bindet sich besser auf rauen Oberflächen, gleicht restliche Mikro-Riefen aus und gibt jeder Decklackfarbe denselben Untergrund, egal ob das Teil schwarz oder weiß gedruckt ist.
| Primer-Farbe | Wann nutzen |
|---|---|
| Weiß | Helle Decklacke, gelb, rot, sonst werden die Farben stumpf |
| Grau | Universal-Primer, fast alle mittelhellen Farben |
| Schwarz | Tiefe Töne, Metallic dunkel, Schatten-Pre-Shading |
| Oxidrot | Verwitterungs-Effekte, militärische Modelle |
Sprühprimer aus 25-30 cm Abstand in mehreren dünnen Schichten, niemals nass auftragen. Sonst tropft es oder bildet Nasen, die du vor Lack wieder schleifen darfst. Zwischen den Sprühgängen 5-10 Minuten Trockenzeit lassen.
Nach dem Primer mit 800er nass nochmal drüber, alle Riefen die du jetzt noch siehst, kommen auch durch den Decklack durch. Der Primer macht sie sichtbar, weil er einheitliche Farbe gibt. Diese Stelle ist deine letzte Chance vor dem Endlack.
Decklack auftragen, Spritzpistole vs Sprühdose
Sprühdosen sind günstig und schnell, aber für gleichmäßige Decklacke nur bedingt geeignet. Der Strahl ist breit, der Druck nicht regelbar, und auf kleinen Flächen läufst du schnell in eine Nase. Für Modelle bis Handgröße funktionieren sie, ab Brustgröße aufwärts wirds Glücksspiel.
Eine günstige Airbrush mit Kompressor liegt bei 80-150 Euro und gibt dir Kontrolle über Materialmenge und Strahlbreite. Für 3D-Drucke ideal: dünne, gleichmäßige Schichten, exakte Übergänge bei Mehrfarb-Lackierung, sparsamer Materialverbrauch.
Acrylfarben (Vallejo, AK, Mig) trocknen schnell und sind wasserlöslich, gut für Innenraum-Arbeit. Enamels (Humbrol, Tamiya) sind robuster im finalen Look, brauchen aber Verdünner und mehr Trocknungszeit. 2K-Lacke aus dem Auto-Bereich sind die härtesten, aber gefährlich ohne Atemschutz.
Klarlack, der Schutzfilm zum Schluss
Klarlack hat zwei Aufgaben: er versiegelt die Decklackfarbe gegen Abrieb und gibt dem Modell den finalen Glanzgrad. Drei Stufen: matt, seidenmatt und glänzend. Die Wahl hängt vom Modell ab, Militärfahrzeuge meist matt, Sportwagen glänzend, Figuren oft seidenmatt für die Haut.
Bevor du Klarlack aufträgst, müssen Decals und Pigmente fertig sein. Klarlack klebt sie ein und schützt sie vor Berührung. Schmutz-Effekte (Pigmente, Washes) kommen zwischen zwei Klarlack-Schichten, erste glänzend, dann Effekte, dann matt für Endzustand.
Klarlack-Probleme: Yellowing bei billigen Acryl-Lacken nach Monaten, weiße Trübung wenn Luftfeuchtigkeit über 70% beim Sprühen, Risse wenn die Schicht zu dick. Die ersten beiden Effekte sind fast nicht zu reparieren, also lieber Premium-Klarlack kaufen und in trockener Umgebung arbeiten.
Verwandte Themen findest du im Artikel Airbrush reinigen für lange Funktionsfähigkeit oder im 3D-Druck-Troubleshooting für die häufigsten Fehler.
Was sich in der Praxis bewährt
Für 80% der Drucke reicht: 240er trocken, 400er nass, ein Durchgang Sprühfiller, 600er nass, Grauer Primer, 800er nass, Decklack, Klarlack matt. Diese Kette dauert für ein handgroßes Modell drei Abende mit Trockenzeiten, aber das Ergebnis sieht aus wie gekauft.
Wer auf Funktionsteile arbeitet, spart sich Filler und Lack komplett, schleif von 240 direkt bis 600er, dann ein Hauch Primer als UV-Schutz, fertig. Optik-Modelle dagegen brauchen die volle Strecke. Das Werkzeug-Setup für unter 100 Euro: Schleifpapier-Set, Schleifschwämme, Sprühfiller, Primer-Dose, einen Klarlack, der Rest ist Zeit und Sorgfalt.
Veröffentlicht durch die Modellfieber-Redaktion. Veröffentlicht am 20. August 2026.
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