Bambu Lab X1 Carbon: Multicolor-Druck mit dem AMS im Praxistest
Modellfieber · 3.9.2026
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Der Bambu Lab X1 Carbon druckt mit dem AMS bis zu 16 Farben in einem Bauteil und schaltet die Filamente innerhalb von 4-6 Sekunden um. Beeindruckend ist nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Filament-Verschnitt-Disziplin: Pro Farbwechsel produziert das System einen kleinen Spülturm und einen Spülklumpen, am Ende eines Multicolor-Drucks gehen pro Wechsel etwa 5-15 Gramm Filament drauf. Wer das wert ist, klärt dieser Praxistest.
Was AMS überhaupt bedeutet
AMS steht für Automatic Material System. Es ist Bambu Labs externer Vier-Spulen-Halter mit interner Mechanik, die das Filament automatisch wechselt. Das Modul hängt an der Seite oder oben auf dem Drucker, ist klimatisiert (interne Trocknung mit Silikatkugel-Slot), und kommuniziert über ein eigenes Datenkabel mit dem Drucker. Bis zu vier AMS-Einheiten lassen sich kaskadieren, daher die theoretischen 16 Filamente.
Der Wechselvorgang läuft so: Der Drucker beendet die aktuelle Schicht-Sektion, fährt über den Spülturm, das AMS zieht das alte Filament zurück und schiebt das neue rein. Die Düse wird kurz gespült ("Purge"), um Farbreste auszustoßen, dann läuft der eigentliche Druck weiter. Der ganze Cycle dauert je nach Wechselmenge 4-15 Sekunden, und das pro Farbwechsel.
Hardware-Setup und erste Inbetriebnahme
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Das AMS wird per RFID-fähigen Spulen-Reader bestückt. Bambu-Lab-Filamente haben einen Chip im Kern, der Material-Typ, Temperaturprofil und Restmenge automatisch ans System meldet. Bei Drittanbieter-Filamenten muss man manuell konfigurieren, was kein Drama ist, aber den Komfort etwas reduziert. Ein Spulenwechsel dauert etwa 30 Sekunden, das System filiert das Filament selbständig zur Hotend-Vorbereitung ein.
Wichtige Vorbereitung: Das AMS lässt sich nur mit weichen oder klassischen FDM-Filamenten zuverlässig betreiben. PLA, PETG, PVA, ABS in der reinen Form funktionieren bestens. Filamente mit hohem Anteil an Carbon-Faser, Holz oder Glasfaser können die Bowden-Schläuche im AMS auf Dauer abrasiv beschädigen. Für solche Materialien empfiehlt Bambu eine externe Spulenführung an der externen Spule, also die Bypass-Lösung.
| Aspekt | Klassischer FDM-Drucker | X1 Carbon mit AMS | Multi-Material-Add-on (Prusa MMU3) |
|---|---|---|---|
| Farben pro Druck | 1 | 4 (16 mit Mehrfach-AMS) | 5 |
| Wechselzeit | - | 4-15 Sekunden | 30-60 Sekunden |
| Filament-Verschnitt pro Wechsel | 0 | 5-15 g | 10-25 g |
| Setup-Zeit (initial) | - | 30 Min | 2-4 Stunden |
| Listenpreis Setup (ca.) | - | 1399 EUR (X1C inkl. AMS) | 900 EUR (MK4 + MMU3) |
| Software-Slicer | frei wählbar | Bambu Studio (Cloud) | PrusaSlicer (offline) |
Multicolor in der Praxis: Was funktioniert, was nicht
In der Hobby-Praxis macht das AMS am meisten Sinn für Modellbau-Anwendungen mit klar abgegrenzten Farbflächen: Anime-Figuren, Logos, mehrfarbige Cosplay-Helme, Modell-Marker, Schilder. Hier sieht das Ergebnis sofort hochwertig aus, weil die Farben sauber abschneiden und keine Nachbearbeitung nötig ist. Druckzeiten verlängern sich um 30-60% gegenüber Single-Color, abhängig von der Anzahl der Wechsel.
Schwieriger wird es bei Modellen mit vielen kleinen Farb-Inseln pro Schicht. Jede einzelne Farb-Insel löst einen Wechsel aus, was schnell zu 50-100 Wechseln pro Druck führt. Bei einem 6-stündigen Druck können das schnell zwei Stunden zusätzliche Wechsel-Zeit werden. Hier hilft, im Slicer die Farbsplitt-Logik zu vereinfachen: weniger Farben, größere Inseln, weniger Wechsel.
Komplett ungeeignet ist Multicolor für funktionale Bauteile, bei denen Festigkeit zählt. Jeder Farbwechsel hinterlässt eine kleine Schwachstelle in der Schicht, die unter Last schneller abbricht als ein homogenes Bauteil. Ein RC-Car-Bumper aus Multicolor sieht hübsch aus, hält aber bei einem Crash schlechter als der gleiche Druck in einer Farbe.
Software-Workflow im Bambu Studio
Multicolor wird im Bambu Studio sehr komfortabel umgesetzt. Beim Importieren eines STL kannst du Farb-Bereiche per Pinsel direkt auf dem 3D-Modell zeichnen. Das Programm rechnet selbständig die Schichthöhen, Wechselpunkte und Spül-Mengen aus. Auch Stamp-Funktionen für Logos, Modell-Beschriftungen und gradient-artige Verläufe sind eingebaut.
Ein interessanter Workflow ist der Import von mehrfarbigen 3MF-Dateien aus Plattformen wie MakerWorld oder Printables. Diese kommen oft schon mit fertigen AMS-Konfigurationen. Du musst nur die hinterlegten Filamente an deine eigenen anpassen und kannst direkt drucken. Für Einsteiger ist das ein sehr niedrigschwelliger Einstieg in die Multicolor-Welt.
Spülturm: Das ungeliebte Nebenprodukt
Der Spülturm steht neben dem eigentlichen Druck und sammelt die ausgetauschten Material-Reste pro Wechsel. Bei vier Farben und einem 100x100 mm-Druck wächst der Turm gerne auf 30x30 mm in der Grundfläche und mehrere zehn Gramm Material. Das ist Verschnitt, der direkt im Müll landet, sofern man nicht recyclet.
Im Slicer lässt sich die Spülturm-Größe bei reduzierter Wechselmenge optimieren. Wer Wert auf Effizienz legt, kann den Turm kleiner setzen, riskiert aber unsaubere Farb-Übergänge, wenn Reste der alten Farbe in den nächsten Druck-Bereich rutschen. Bambu hat in den letzten Updates den Algorithmus deutlich verbessert, sodass Standard-Settings meist gut funktionieren.
Wirtschaftlichkeit: Ist das den Preis wert?
Ein X1 Carbon Combo (Drucker + ein AMS) kostet aktuell etwa 1399 EUR. Das ist deutlich mehr als ein Standard-FDM-Drucker wie ein Ender 3 V3 für 250 EUR. Die Frage ist, ob der Mehrpreis sich für deinen Use-Case lohnt. Für reine Hobby-Druckerei mit gelegentlichen Multicolor-Modellen rechtfertigt sich das selten. Wer aber regelmäßig Geschenkartikel, Cosplay-Teile oder kleine Auflagen produziert, hat die Investition oft nach 6-12 Monaten wieder drin.
Ein wichtiger Vergleichswert: Manuelle Filament-Wechsel an einem klassischen Drucker sind machbar, aber stressig. Du musst genau zur richtigen Schichthöhe pausieren, das Filament wechseln, die Düse spülen, weiterdrucken. Für 4-6 Wechsel pro Modell ist das 30-60 Minuten manuelle Arbeit. Das AMS macht das in 2 Minuten Maschinenzeit. Multipliziert über mehrere Drucke pro Woche addiert sich das schnell auf.
Was funktioniert wirklich
Für Modellbauer, die Wert auf saubere Optik bei Display-Modellen legen, ist der X1 Carbon mit AMS ein echter Gewinn. Setup unter 30 Minuten, intuitive Software, gute Farbtreue, akzeptabler Verschnitt. Wer hingegen funktionale Teile oder reine Drohnen-Frames druckt, kommt mit einem klassischen FDM-Drucker und gelegentlichem manuellen Wechsel günstiger weg. Plane für ein Multicolor-Modell etwa 30-60% mehr Druckzeit ein und kalkuliere den Filamentmehrverbrauch durch den Spülturm mit ein. Bei sinnvollem Einsatz ist das AMS eines der entspanntesten Multicolor-Systeme aktuell auf dem Markt, wenn auch nicht das günstigste.
Veröffentlicht durch die Modellfieber-Redaktion. Veröffentlicht am 3. September 2026.
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