Schwerpunkt am Flugmodell einstellen: Anleitung für stabilen Flug
Modellfieber · 5.6.2026
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Ein Flugmodell mit falsch gesetztem Schwerpunkt fliegt entweder gar nicht oder einmal, und dann zerstört es sich beim Aufprall. Die gute Nachricht: bei den meisten Trainer-Modellen liegt der korrekte Schwerpunkt bei 25-33% der Flügeltiefe ab Vorderkante, und das prüfst du mit zwei Fingern in unter zwei Minuten. Wer das ignoriert, fliegt entweder zu kopflastig (sinkt wie ein Stein) oder zu hecklastig (kippt unkontrolliert ab).
Was der Schwerpunkt überhaupt macht
Der Schwerpunkt (Center of Gravity, CG) ist der Punkt, an dem das Modell perfekt ausbalanciert wäre, wenn du es dort aufhängst. Beim Flug entscheidet er über die Längsstabilität: liegt der CG vor dem aerodynamischen Druckpunkt des Flügels, ist das Modell stabil, es fliegt von selbst geradeaus, auch wenn du loslässt. Liegt er dahinter, wird es instabil, jeder Windstoß und jede Steuerbewegung verstärkt sich.
Die meisten Anfänger-Trainer sind absichtlich leicht kopflastig konstruiert (CG knapp vor dem Idealpunkt), das macht sie zwar etwas träger, aber gutmütig. Wenn du losloslässt, richten sie sich selbst auf und gleiten ab. Aerobatik-Modelle dagegen liegen am Idealpunkt oder leicht dahinter, weil sie reaktiv reagieren sollen.
Wo genau der CG liegen muss
Der Hersteller gibt den Schwerpunkt fast immer in der Bauanleitung an, meistens als Abstand von der Flügelvorderkante. Typische Werte:
| Modelltyp | CG-Position (% Flügeltiefe) | Charakter |
|---|---|---|
| Trainer / Anfänger | 25 - 28% | stabil, gutmütig, gleitet selbst aus |
| Sport / Allrounder | 28 - 33% | ausgewogen, agil aber stabil |
| 3D-Aerobatik | 33 - 38% | extrem reaktiv, neutral |
| Segler / Thermikflug | 30 - 35% | effizient, geringer Strömungswiderstand |
| Nurflügel / Delta | 15 - 22% | spezielle Aerodynamik, kritisch |
Wichtig: bei Pfeilflügeln und konischen Flügeln misst du an der mittleren aerodynamischen Sehne (MAC), nicht an der Wurzel. Die genaue MAC-Position findet sich in der Bauanleitung, oder du berechnest sie über simple Online-Rechner wie ecalc.ch.
Die Finger-Methode, schnell und ausreichend genau
Für die meisten Trainer-Modelle reicht die Finger-Methode völlig aus. Du markierst den CG-Punkt auf der Flügelunterseite (Tape-Streifen, beidseitig im gleichen Abstand zur Flügelmitte), legst dann beide Zeigefinger genau auf diese Markierungen und hebst das Modell langsam an.
- Modell hängt waagerecht oder leicht nach vorne kippend: CG ist okay, das Modell ist flugbereit
- Heck kippt deutlich nach unten: Modell ist hecklastig, Bleigewichte vorne ergänzen oder Akku weiter nach vorne schieben
- Nase kippt extrem nach unten: Modell ist sehr kopflastig, Akku weiter nach hinten oder Heckgewicht ergänzen (selten nötig)
Diese Methode ist auf etwa 2-3 mm genau, was bei Trainer-Modellen mehr als ausreicht. Für Aerobatik-Modelle solltest du eine echte CG-Waage verwenden, die kosten zwischen 30 und 80 EUR und liefern Genauigkeit auf den Millimeter.
Schwerpunkt einstellen, wo das Gewicht hin muss
Hecklastige Modelle (das ist der häufigste Fehler) korrigierst du in dieser Reihenfolge: erst Akku weiter nach vorne schieben, dann ggf. Empfänger und ESC umpositionieren, erst zuletzt Bleigewichte ergänzen. Bleigewicht ist die letzte Wahl, es macht das Modell schwerer, ohne irgendeinen Nutzen außer dem Ausgleich. Selbstklebende Bleigewichte gibt es in 5-Gramm-Streifen für 6 EUR pro Packung.
Die Faustregel: jedes Gramm Blei vorne kompensiert etwa 2-3 Gramm im Heckbereich (wegen Hebellänge). Wenn du also 50g Blei brauchst, würde 20g Empfänger-Verschiebung nach vorne den gleichen Effekt haben, ohne Mehrgewicht. Bei Anfänger-Trainern sind die Akku-Schachte meistens groß genug, um den CG ohne Zusatzgewicht zu trimmen.
Erstflug-Tuning: ist der CG wirklich richtig?
Der Buch-Wert des Herstellers ist ein Startwert, nicht das letzte Wort. Im echten Flug erkennst du, ob du nachjustieren musst. Beim Erstflug fliegst du Vollgas geradeaus und nimmst dann sanft die Steuerung weg, was passiert? Das Modell sollte langsam absinken oder leicht nach unten gehen.
- Modell stürzt steil ab: stark kopflastig, CG nach hinten verschieben (5 mm reichen meist)
- Modell zieht hoch und stallt: stark hecklastig, sofort landen, CG nach vorne korrigieren
- Modell sinkt sanft mit ~5° Neigung: CG ist perfekt
Bei der Looping-Probe ziehst du einen Looping ohne Korrektur, bleibt das Modell beim Looping-Ende auf gleicher Höhe und Richtung, ist der CG ideal. Driftet es nach vorne raus, ist es kopflastig. Zieht es nach hinten weg, ist es hecklastig.
Längs- vs Querschwerpunkt, beide musst du checken
Der bisher besprochene Schwerpunkt war der Längs-CG (von vorne nach hinten). Genauso wichtig, aber oft vernachlässigt: der Quer-CG (von links nach rechts). Wenn dein Modell beim geradeaus Fliegen leicht nach einer Seite "zieht", liegt das oft nicht am Querruder-Trim, sondern an seitlich ungleicher Gewichtsverteilung, typisch durch unsymmetrisch eingebaute Servos, Akku leicht außermittig, oder ungleiche Tragflächen-Beplankung.
Den Quer-CG prüfst du mit der Aufhänge-Methode: Modell an einer Schnur exakt am Rumpf-Mittelpunkt aufhängen. Hängt es perfekt waagerecht, ist der Quer-CG okay. Kippt eine Tragfläche nach unten, musst du auf der höheren Seite Gewicht ergänzen (typisch 5-15g im Tragflächen-Endstück reichen). Bei einem 1.5-kg-Trainer-Modell sorgt schon ein 8g Ungleichgewicht zur Seite für leichten Trim-Stress, der besonders bei Langzeitflügen ermüdet.
Akku-Wechsel: warum du den CG immer neu checkst
Jeder neue Akku, jede Änderung in der Empfänger-Position und jedes neue Servo verschiebt den CG. Wer einen 50-EUR-Akku-Test mit drei verschiedenen LiPo-Größen macht, sollte den CG für jeden Akku separat checken und ggf. die Akku-Position im Schacht trimmen (Klett-Streifen vor und hinter dem Akku, dann verschieben). Das dauert pro Akku-Tausch keine 60 Sekunden, verhindert aber unangenehme Überraschungen im Flug.
Pre-Flight-Checkliste vor jedem Start
- Schwerpunkt-Check mit Finger-Methode, sollte unter 30 Sekunden gehen
- Steuer-Probe in alle Richtungen, Höhe, Seite, Quer, Gas reagieren?
- Akku-Spannung gemessen, bei LiPo 3S mindestens 12.4V (4.13V/Zelle)
- Empfänger-Antenne nicht im Karbon-Rohr, Reichweite sonst halbiert
- Tragflächen-Halterung kontrolliert, Gummibänder und Schrauben fest?
Diese Checkliste dauert maximal zwei Minuten. Sie verhindert 80% der typischen Erstflug-Crashes, die meistens nicht durch schlechte Steuerung passieren, sondern durch übersehene mechanische oder elektronische Fehler vor dem Start.
Worauf es wirklich ankommt
Der Schwerpunkt ist wichtiger als jede Steuer-Justierung, jede Servo-Geschwindigkeit und jede Klappenstellung. Ein Modell mit korrektem CG fliegt mit billiger Elektronik gut, ein Modell mit falschem CG fliegt mit Premium-Elektronik schlecht. Investiere die zwei Minuten Finger-Test vor jedem Erstflug, prüfe den CG nach jedem Akku-Tausch, und justiere im Zweifel lieber kopflastiger als hecklastiger. Das ist der Unterschied zwischen einem Modell, das fliegt, und einem, das fliegt und auch landet.
Veröffentlicht durch die Modellfieber-Redaktion. Veröffentlicht am 5. Juni 2026.
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